In einer Mittsommernacht..
Diesmal bin ich dran..
Man hätte in die Bar am Platz gehen können, nett, einladend.
Es gab auch die Vinothek in der Nähe, was keine schlechte Idee war, drinnen ist es kühl.. nichts zu machen.
Heute Abend treffen wir uns bei mir!
Gut, dann gehe ich einkaufen, der Kühlschrank ist leer!
Den Wein bringt Antonio, lieber Freund, Kollege und großer Weintrinker – eine Eigenschaft, die man nicht unterschätzen sollte!
Die Hitze erlaubt keinen Gebrauch des Herdes, also gibt es Aufschnitt, Käse, grüne Oliven, etwas in Öl Eingelegtes, bruschette (irgendetwas musste ich ja kochen, oder?), tarallucci und etwas mozzarella, die niemals fehlen darf.
Eine gesellige, familiäre Atmosphäre – die richtige Art, gemütlich auf dem Sofa zu plaudern.
Unser Begleiter an diesem Abend ist der Sassella Valtellina Superiore di Nino Negri.
Zwischen Reden und Handeln liegt das Meer.
In 99% der Fälle schaut der Weintrinker – ob Liebhaber oder Profi – ausschließlich auf das fertige Produkt, ohne jemals die Geschichte eben dieses Produkts im Blick zu behalten. Eine Geschichte, die stets von Menschen geprägt wird, die täglich mit der Erde und ihren Früchten interagieren, zusammenarbeiten und ringen, um uns Emotionen zu schenken, die in einer Flasche eingeschlossen sind. Die Frage, die wir uns stets stellen sollten, lautet: Wie ist der Wein in die Flasche gelangt? So lassen sich voreilige und manchmal erbarmungslose Urteile vermeiden (was bei diesem Wein sicher nicht nötig ist; Fehler oder Mängel dieses Produkts zu finden ist wirklich schwer).
Die Antwort auf diese Schicksalsfrage eröffnet in diesem Fall Szenarien, die an das Unglaubliche grenzen.
Man muss nur das Anbaugebiet für nebbiolo, auch chiavennasca genannt, betrachten, aus dem dieser Wein entsteht.
Herrliche Terrassen auf den Hügeln südlich von Sondrio, die sich mit einzigartigen Ausblicken präsentieren.
Doch diese Terrassen sind widerspenstig – so sehr, dass keinerlei Maschinen eingesetzt werden können. Die Arbeit liegt vollständig in Menschenhand, weshalb man hier von Heldenweinbau spricht!
Die geernteten Trauben, die oft per Hubschrauber transportiert werden, ruhen 2 Monate in Stahltanks, 18 Monate im Holzfass und schließlich in der Flasche.
Der Sassella zeigt ein lebendiges Rubinrot mit klaren Granatnuancen. In der Nase zeigt sich eine Komplexität, die noch ganz im Werden ist; zarteste Aromen verwelkter Blüten, umhüllende Fruchtkonfitüren. Er gibt seine Duftnoten in einem gewissen Rhythmus frei – Harzanklänge, sanfte Nelken; er möchte befragt werden, aber ohne Eile. Am Gaumen trocken, warm, vollmundig, außerordentlich ausgewogen und anhaltend. Auf dem Rücketikett findet sich ein Adjektiv, das all unsere Empfindungen zusammenfasst und diesen Wein besser beschreibt als jedes andere Wort: herb. Herb in seiner zurückhaltenden Farbe, herb im komplexen Bouquet, herb in allen geschmacklich-olfaktorischen Eindrücken.
Wären die Temperaturen milder gewesen, hätte ich mich an ein Rotfleischbraten gewagt, vielleicht Wild, aber auch Lamm. Es scheint jedoch, dass Antonio mein kleines Buffet geschätzt hat – wenn ihr also eines Tages zum Abendessen zu mir kommt, beschwert euch nicht; informiert euch vielleicht vorher über die aktuellen Wetterbedingungen!





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