ROTWEINE
  • 16. SEPTEMBER 2014
  • 3 min
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Die Sterne, auch wenn sie nicht zu sehen sind

Etnella - Notti stellate 2010 Etna Rosso Testaccio (RM), März 2014, Vini di Vignaioli – dort lernte ich Davide Bentivegna vom Weingut Etnella kennen, mit Weinbergen im nordöstlichen Bereich des großen aktiven Vulkans: Presa, Linguaglossa und Pas...

Claudio Tenuta

von Claudio Tenuta
Sommelier

Die Sterne, auch wenn sie nicht zu sehen sind

Etnella - Notti stellate 2010 Etna Rosso

Testaccio (RM), März 2014, Vini di Vignaioli – dort lernte ich Davide Bentivegna vom Weingut Etnella kennen, mit Weinbergen im nordöstlichen Bereich des großen aktiven Vulkans: Presa, Linguaglossa und Passopisciaro auf 600 bis 1.000 Metern Höhe sind die Lagen der eigenen Weinberge auf basaltischen Böden.

Davide ist lebhaft und fröhlich, hat eine unkomplizierte und herzliche Art, ist ein bisschen chaotisch, aber gleichzeitig bodenständig. Er lässt mich seine Weine zusammen mit anderen Freunden verkosten, und alles, was er als gerade erst kennengelernter Mensch ausstrahlt, finde ich in Notti Stellate 2010 wieder – einem Etna Rosso mit überwiegendem Nerello Mascalese (90%), einem Rest Nerello Cappuccio (7%) und weiteren autochthonen Sorten. Er reift in Barriques dritten Durchgangs und wird im Weinberg und im Keller nach absolut natürlichen Methoden verarbeitet.

Das Glas dieses Etna ist rein, ohne Arroganz, frei von Überstruktur, aufrichtig, direkt, stellenweise ungestüm – ganz wie Davides Art sich zu bewegen und zu gestikulieren, aber immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Es ist kein modischer Wein und kein Wein, der die Bourgogne anbiedert, es ist nichts schon Dagewesenes...

Rubinrot, licht und dünn, vollkommen transparent, kein seltsames Glitzern, aber jenes Widerscheinen erkalteter Lava. Die erste Nase ist noch weinig, manchmal widerstrebend, sich zu öffnen; ein paar Schwenks im Glas belüften den Wein, und er wird sofort dreidimensional: Teer, Asche, Zimt, Lorbeer und ein verwünschter Balsam, der betört – dann jene langsame und unaufhaltsame „Rückwärtsentwicklung", ein Oxymoron, hin zu den typischen Fruchtaromen der Rebsorte: Cassis, Wildveilchen, schwarze Johannisbeere und wieder jenes Mentholische der Nepitella.

Am Gaumen war er vor 6 Monaten ausgesprochen schroff, aber gerade deshalb von außerordentlichem Reiz; heute ist es eine Ekstase, ihn zu trinken: trocken, herb, durstlöschend, mit einem samtigen und seidigen Tannin, das aber noch nicht ganz gezähmt ist. Ich würde sagen: höchst elegant in seiner natürlichen Ausdruckskraft. Er besitzt die ganze Bergfrische der Reben auf 700 m ü. M. und jenen mineralischen Abgang, der den Kreis perfekt schließt. Die Alkoholnoten sind zart und schmeichelnd und verlängern die Trinkreife noch weiter.

Er fließt schnell, ja sehr schnell über den Gaumen, bleibt aber dank seiner erdigen Wahrhaftigkeit und der überaus angenehmen retronasalen Rückaromen lange auf den Geschmackspapillen haften. Ein Essensbegleiter, der leicht gekühlt bei 16 °C getrunken werden will – zu genießen mit vertrauten Menschen, mit ernsthaften Gefährten, mit alten Freunden...

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